Ich war vor kurzem in den USA und habe dort etwas erlebt, das mir in dieser Klarheit vorher nicht bewusst war. Ich bin mit einem autonomen Fahrzeug von Waymo gefahren – ohne Fahrer, ohne Sicherheitslenker, ohne jede Form eines menschlichen Eingriffs. Man steigt ein, gibt sein Ziel ein, und das Fahrzeug fährt los. Ruhig, unspektakulär, selbstverständlich. Kein Experiment, keine Vorführung, sondern Alltag.

Kurz darauf saß ich im Tesla Cybertruck. Und während wir in Deutschland noch darüber diskutieren, ob autonomes Fahren irgendwann vielleicht gesellschaftlich akzeptabel sein könnte, wird in Kalifornien bereits ganz praktisch darüber nachgedacht, wie humanoide Roboter wie Teslas Optimus künftig Haushalte, Logistik und Industrie unterstützen könnten. Nicht als Vision, sondern als nächster Schritt.

Das Entscheidende an dieser Reise war nicht die Technik an sich. Es war der mentale Abstand zwischen zwei Gesellschaften – und der Umgang mit technologischer Realität.

Autonome Systeme sind längst Teil des Alltags

Autonome Fahrzeuge sind keine Zukunftsmusik mehr. Sie sind nicht das Versprechen eines Start-up-Pitches oder einer Messepräsentation. Sie fahren. Täglich. Mit zahlenden Kunden. In mehreren Städten. Waymo betreibt Robotaxis im Regelbetrieb, nicht als Pilotprojekt, sondern als Service.

Tesla verfolgt einen anderen Ansatz – stärker softwaregetrieben, schneller iterierend, risikofreudiger. Über Zeitpläne, Kinderkrankheiten und technische Grenzen lässt sich streiten, ebenso über Marketing und Zuspitzung. Unstrittig ist jedoch, dass hier mit enormer Geschwindigkeit an realen Anwendungen gearbeitet wird.

Mit Optimus betritt zudem ein weiteres Feld die Bühne: humanoide Robotik. Auch hier gilt: Man kann skeptisch sein, man kann Zweifel haben, man kann Risiken benennen. Aber man kann kaum bestreiten, dass diese Entwicklung real ist und weiter voranschreiten wird.

Der technologische Zug fährt längst.

Der deutsche Rückzug ist eine Entscheidung

Parallel dazu ziehen sich deutsche Autobauer aus zentralen Forschungs- und Entwicklungsfeldern des autonomen Fahrens zurück. Nicht, weil sie dazu grundsätzlich nicht in der Lage wären, sondern weil sich Risiko, Regulierung, Haftungsfragen und wirtschaftliche Perspektiven aus ihrer Sicht nicht mehr sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Das ist kein Naturereignis.
Das ist eine bewusste Entscheidung.

Deutschland setzt auf Absicherung, Regulierung und Perfektion, bevor skaliert wird. Die USA setzen auf Umsetzung, Lernen im Betrieb und anschließende Nachjustierung. Beides hat Gründe. Beides hat Risiken. Aber nur eines erzeugt derzeit Geschwindigkeit, praktische Erfahrung und technologische Souveränität.

Technologie lässt sich nicht aufhalten – nur ignorieren

Ein zentraler Irrtum in der europäischen Debatte besteht darin zu glauben, technologische Entwicklungen ließen sich durch Skepsis, Verzögerung oder Regulierung grundsätzlich verhindern. Das Gegenteil ist der Fall.

Technologie verschwindet nicht, nur weil man ihr misstraut. Sie entsteht dann woanders. Und sie kehrt zurück – als fertige Realität, als importierte Lösung, als Abhängigkeit.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob autonome Systeme, KI oder Robotik Teil unseres Alltags werden. Die Frage ist, wer sie gestaltet – und wer sie lediglich übernimmt.

Gestalten heißt verstehen, nicht jubeln

Technologische Entwicklungen werfen zwangsläufig Fragen auf: nach Sicherheit, Haftung, Arbeitsplätzen, Abhängigkeiten und Verantwortung. Diese Fragen verschwinden nicht, wenn man sie vertagt oder ausblendet. Sie werden dann lediglich von anderen beantwortet.

Wer ernsthaft Verantwortung übernehmen will, muss Entwicklungen früh verstehen, bewerten und begleiten. Nicht aus Begeisterung, sondern aus Nüchternheit. Nicht aus Fortschrittsglauben, sondern aus dem Wissen, dass Ignorieren keine Gestaltungsoption ist.

Technikoffenheit bedeutet nicht, jede Entwicklung unkritisch zu begrüßen. Sie bedeutet, sich ihr nicht zu verschließen.

Haltung entscheidet über Zukunftsfähigkeit

Mein Eindruck aus den USA war kein Neid und keine Technikverliebtheit. Es war die nüchterne Erkenntnis, dass technologische Realität schneller entsteht als politische Debatten und gesellschaftliche Selbstvergewisserung.

Gesellschaften, die diese Realität annehmen und gestalten, gewinnen Handlungsspielräume. Gesellschaften, die sie verdrängen, verlieren sie. Nicht über Nacht, sondern schleichend.

Wegschauen ist keine Strategie.
Abwarten auch nicht.

Die Zukunft kommt nicht auf Einladung.
Sie kommt, weil jemand sie baut.


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